Lord of the Scheiß – Ein Meisterwerk

Und da gab es dann einen kleinen Roman, den 4 knallharte Mörder-Englisch-LKs unseres Gymnasiums im Jahre 2000 alle zu meistern hatten, Lord of the Flies, written by Sir William Golding. OK, OK, werdet ihr euch fragen, was issn das ? Kenn ich nitt… Keine Sorge. Ich wusste es anfangs auch nicht. Wir wurden im Englisch-LK gefragt, was passieren könnte, wenn eine Gruppe von 50 Jugendlichen auf einer einsamen Insel abstürzt. OK, wenn man davon ausgeht, dass man mit dem Begriff „Jugendliche“ Angehörige beiderlei Geschlechts ansieht, ne mörderische Porno-Partie. Ich habe mir da schon vor Augen so ein Massen-„Blaue Lagune“-Mörderstechen vorgestellt, aber na ja ein wenig pervers kann man ja schon noch sein….
Und was auf jede einsame Insel gehört…. Kannibalen ! Ich habe noch nie einen Film über Gestrandete gesehen ohne irgendsoein Hulla-Hulla-Völkchen, dass in jedem neuen Gast eine schöne Mahlzeit sieht, das Volk muß ja schließlich Fleisch kriegen, man iss ja net Vollvegetarier und außerdem hat man Angst vor Rinderwahn, also muss Menschenfleisch her.
Also da bereitet man sich also seelisch auf so ein Misch-Masch aus seichtem Porno und knallhartem Überlebenskampf, und da bekommt man die wahre Story aufgetischt. Die Jugendlichen sind alle männlich (Shit, höchstens Schwulenporno) und außerdem sind sie allein auf der Insel, also fällt auch das Mittagessen der Kannibalen aus. Also worum geht’s denn eigentlich ?
Die ca. 50 Jugendlichen stürzen mit dem Flugzeug bei so einem spontanen 3. Weltkrieg zwischen West und Ost auf einer Insel ab, Pilot tot und auch die sonstigen Besatzungsmitglieder, also auch kein Gefummel mit den Stewardessen. Da denkt man sich, joo geil, einsame Insel, Sun, Fun, geiles Wetter, und ein Mörderstrand, das Paradies auf Erden. Aber irgendwie muss man sich doch hier organisieren, politisch und so (die Überlebenden sind nämlich so im Alter zwischen 6 und 12). Also nimmt da so ein Junge namens Ralph so eine komische Muschel, trötet und wird sofort zum President of the Kidz. Hey, wenn ich auch mal so eine Trompete auf der Straße finde, werde ich dann auch Bundeskanzler??? Aber wenn man sich überlegt, versuchen das ja auch schon unzählige Panflöten-Combos in den Fußgängerzonen und kommen noch nicht mal bei den Grünen rein…
Naja, man sagt sich also, der iss also Chef. Sofort gibt es da so einen Spalter, der mokiert. Der ist Chef so einer Chorgruppe, katholisch natürlich, und zieht mit seinen Boys natürlich missionierend durch den Dschungel. Später fängt er dann an, unschuldige Wildscheine abzustechen (also doch ne Mordsstecherei, aber anders als ich wollte), und dann geht die Chose auch los. Ein imaginäres, hirngespenstiges Monster soll auf der Insel wüten. Hab ich mir gedacht, geil !!! PREDATOR !!! Die Arbeit schreibt jeder 15 ! Stellt Euch mal vor, da wütet so ein unsichtbares, außerirdisches Wesen auf dieser Insel, schlachtet ein Kind nach dem anderen ab, das wäre eine Lektüre, das Abitur wäre ein Klacks. Der Ralph, der President also, packt plötzlich so seine Muckis aus, findet irgendwo ne MG und geht dann auf die Suche nach dem brutalen Monster und mäht dann alles nieder ! Pustekuchen. Dieses Monster ist nur ein toter Pilot der US Air Force, ein echter MarineS. Diesen Vorfall nutzt der Chorleiter Jack aus und versucht wie einst Kenneth Starr Ralph zu impeachen. Jedenfalls macht er sich selbstständig und zieht mit seiner Horde auf die andere Seite der Insel. Sie schlachten noch mehr Wildschweine, stecken so z.B. den abgehackten Kopf auf einen Stab. Kurze Zeit später findet ein letzter Anhänger Ralphs dieses Teil und läuft dann weg. Mann ist das ein Turnbeutelvergesser. Also ich hätte mit so ’nem Schweinekopf so alles mögliche gemacht, als Kopfbedeckung verwendet oder Fußball damit gespielt, aber der….
Gut er läuft mitten in so ein festliches Ritual der Spalter, die wild rumspringen und rumschreien und das Monster jagen wollen (ihr wisst schon, Predator). Da kommt der Bub also an und wird versehentlich im Blutrausch von den Typen gepfählt. Bitte schön, der Bub ist höchstens 1,30 –1,40 cm hoch, wenn ich mir ein Monster vorstellen würde, dann hätte er so große Hörner, ein großes Maul, wäre mindestens 2 Meter hoch und hätte eine tiefe metallisch klingende Stimme, Predator-like halt. Selbst Konstantin Wecker im Haschrausch würde sagen: „….MMMMHHHHMMM …. der iss aa bisssserrrlll zu klleiin fürn Monster ….PFFFFTTT …. aber er siiehhht füüür sein Allltter verdammmt ffaaaarrrbbigg ausss …“ oder so ähnlich halt. Selbst die einzige Brillenschlange auf der Insel, Piggy, sein Name ist Programm, könnte der Bruder einer ähnlich klingenden Fernsehsau sein, also gewichtsmäßig, kann die Meute nicht zurückhalten. Tja, am nächsten Tag wird ihm die Brille geklaut werden. Als man den Dieben die Brille abnehmen möchte, rasten die aus und bringen den Besitzer einfach um. Also stellt Euch vor, ihr steht da am Berghang und plötzlich fällt da so ein riesig fetter Felsbrocken auf die Birne. Ihr braucht dann kein BSE mehr, auch dann fließt Euch der Hirnschmalz so langsam ausm Schädel. Und da hatte ich als Leser mir so gedacht, Yes, Splatter, Blut, Mord, Yeah, jetzt geht das Gemetzel los und so war es. Ralph ist nun auf sich allein gestellt, und er wird von allen anderen gejagt. Die Boys stecken die ganze Insel an und alles brennt. Letztendlich kommt dann so ein Ami-GI, der soeben ein paar Roten die Hälse aufgeschlitzt hat, kuckt sich so die Lage an und denkt sich seins. Finalement fängt unser Beckenrandschwimmer Ralph am Schluss noch an zu heulen und dann ist das Buch aus.
Was wäre das für ein schöne Buch geworden, wenn Golding ein paar „unexpected plot twists“ eingebaut hätte ??? Stellt Euch mal das Szenario vor, das ich mir oben so gestrickt hätte, also mit Kannibalen und geilen Weibern. Die Leute hätten sich niemals bekriegt. Erstens hätte man die Kannibalen als absolutes Feindbild (so wie es die Russen damals für den Westen waren) und die Mädchen hätten dafür gesorgt, dass einerseits eine schöne Atmosphäre vorhanden wäre und außerdem hätten sie immer gesagt: „Na, man schlägt sich doch nicht, mit Liebe soll man an einen Streit schlichten … “ Knutsch und die Boys hätten den Konflikt sofort vergessen !
Hey, da fällt mir ein, das Buch zieht sich bestimmt über ein paar Monate hin. Lebt mal 3 Monate lang auf ner Insel mit zahlreichen Insekten, Ungeziefer, von Krankheitserreger gar nicht zu sprechen. An einer Stelle wird ein „Toilettenproblem“ angeschnitten. Die Kleinen (Littluns) scheißen die Gegend voll, Piggy bekommt Durchfall (klar, wenn man so dick ist wie er und außerdem, das was man gegessen hat, muss ja irgendwann mal wieder raus !!!) und Ralph beschwert sich über die Abspülmentalität. Hey, ich hätte mir nach 3 Tagen Magenschmerzen freiwillig ein Floß gebaut, denn ich brauche eine ordentliche Spülung, von der Zeitung ganz zu schweigen. Ein wahrer König braucht ein Klo. Und außerdem, da sind 50 kleine Kinder, zum Teil nicht der vollständigen Kontrolle über die eigenen Schließmechanismen fähig. Bedenkt mal, dass die alle 1-2 Tage irgendwohin ihr Häufchen hinmachen, Boah muss das stinken. Klar, jetzt weiß ich wieso das Buch „Lord of the Flies“ (Herr der Fliegen) heißt. Also ich hätte sofort meine 7 Sachen gepackt und wäre abgedampft.
Und irgendwann ist in dem Buch ja der Jack auf die Idee gekommen, die Insel zu erkunden und hat dann so eine Art Felsburg (Castle Rock) gefunden. Stellt Euch vor die Boys hätten eine riesige Hanf-Plantage gefunden. Die hätten den ganzen Abend dann dort rumgestanden, hätten so komische Sachen rumgeschrieen und wären so mit komischen Bewegungen hin und hergesprungen … wartet mal… das haben die doch gemacht !!!! Jetzt wird mir alles klar. Hinter diesem Castle Rock stand so ein komischer mexikanischer Drogenbaron und hat dort seine Hanfpflanzen angebaut. Kein Wunder, dass die die ganze Zeit irgendwelche Monster gesehen haben. Die sind wohl völlig stoned am Strand rumgezappelt und hätten dann so leise gesagt: „Da …. Jack … da, ich sehe es …. Pfffttt (neuer Zug am Joint) …. ein Monster !!!“ „Jo, wo ??“ „Ei doo“. Und dann der Schluss erst, wenn die da die ganze Insel in Flammen steht. Die Insel würde wohl im Guinness Buch stehen unter der Rubrik „Größter Joint der Welt“. Das wäre die wohl größte Drogenpartie der Welt gewesen. An dieser Stelle noch mal der Hinweis: Drogen sind schlecht, Drogendealer sind böse. Also „Keine Macht den Drogen“ (gell Christoph D.?) !
Womit wir also so langsam zum Ende meiner literarischen Erörterung kommen. Was für Lektionen für unser Leben haben wir nach der Lektüre dieses Buches gelernt ? Eine Demokratie ist zum Scheitern verurteilt ohne judikative Absicherung. Gut. Jeder kann zum Wilden werden (besonders die, die sich nach ner 00 schwarzgeärgert haben). Nicht in jeder Muschel kann man eine Perle finden, sondern sie mitunter auch als Musikinstrument verwenden (yeah, stellt Euch die geniale Insel-Combo vor: Der Chor ist der Chor, Jack ist der Hauptsänger, an der Muschel Ralph, an den Drums Roger, an den Turntables das DJ-Duo Samneric und finally guitars by „the Master of Dünnpfiff“ Piggy — das wäre sofort auf Platz 1 der Charts). Außerdem wissen wir wie der MacGyver das immer macht, wenn er ein Feuer entfacht. Er hat so ein Feuer einfach durch so ein Brillenglas gemacht, indem er das Licht so auf brennbares Material fokussiert und dann macht’s puff – schon hast du ein schönes Feuerchen, Schwenker hingestellt und dann das Wildschwein gegrillt. Wieso ist dieses Feuer nicht schon beim ersten Anzeichen auf die ganze Insel übergegriffen, je früher desto besser. Auch desto besser für uns, dann wäre es höchstens eine Short Story von 5 Seiten gewesen….

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