Ant-Man and the Wasp Review

Ant-Man and the Wasp Review

Aufgrund der Tatsache, dass derzeit die Fußball-Weltmeisterschaft läuft, sind die internationalen Starttermine großer Sommer-Blockbuster in Europa und insbesondere in Deutschland durcheinander gewirbelt worden. Jurassic Park – Fallen Kingdom wurde zum Beispiel eine Woche vorgezogen, Die Unglaublichen 2 auf Ende September verschoben (wenn er rauskommt, geht rein: Insbesondere der Vorfilm hat mich fast zum Heulen gebracht) und Ant-Man and the Wasp wurde auf Ende Juli verschoben, also deutlich nach der WM. Da ich mich aber gerade in den USA befunden habe, hab ich mir gedacht… geh doch mal rein. Ich versuche den folgenden Beitrag so spoilerfrei wie nur möglich zu halten.

Nach dem schockierenden Ende von Infinity War hat das MCU etwas Abwechslung benötigt und Ant-Man ist wieder zur Stelle… beziehungsweise Wasp. Denn Evangeline Lilly‘s Hope van Dyne tritt stellenweise in mehr gegnerische Hintern als es Scott Lang tut. Aber fangen wir von vorne an. Wir erinnern uns, dass wir Scott Lang das letzte Mal in Deutschland beim großen Civil War gesehen haben. In Infinity War haben wir dann in einer Szene gehört, dass Ant-Man und Hawkeye einen Deal abgeschlossen haben, der sie unter Hausarrest gestellt hat. Und zwar müssen sie (zumindest Scott Lang) mindestens 2 Jahre lang unter Hausarrest stehen und danach weitere 5 Jahre gestellt, in denen sie weder Superheldenkräfte verwenden noch Kontakt zu anderen Avengers-Kollegen aufnehmen dürfen. Dieser Deal wurde mit der amerikanischen und deutschen Regierung abgeschlossen. Diejenigen, die der Meinung sind, dass Ant-Man oder Hawkeye das Ende von Infinity War hätten verhindern können, können also getrost sarkastisch den Hashtag #DankeMerkel verwenden.

Mittlerweile sind diese zwei Jahre auch fast um, denn es fehlen nur noch insgesamt 3 Tage, bis die ständigen FBI Kontrollen für Scott Lang aufhören. Kontakt zu Hank Pym und seiner mittlerweile Ex-Freundin Hope van Dyne hat er seit 2 Jahren nicht mehr und beide werden mittlerweile auch vom FBI gesucht. Eigentlich sollte die Zeit schnell und unkompliziert vergehen für Scott… doch dann beginnt Scott Visionen zu bekommen von Hopes Mutter Janet, die seit mehreren Jahrzehnten im Quantum Realm verschwunden ist. Janet ist, wie bereits im ersten Teil gesehen, bei einer gemeinsamen Mission mit ihrem Ehemann Hank Pym in das Quantum Realm verschwunden, nachdem sie ihren Stabilisator ausstellte und immer weiter und weiter schrumpfte. Während Scott im ersten Teil noch dem Quantum Realm entkommen konnte, ist Janet immer noch dort gefangen. Da die Halluzinationen allerdings immer stärker werden, muss sich Scott dem Hausarrest widersetzen und kontaktiert Hank Pym…

Soviel zum Beginn der Haupthandlung. Der erste Teil der Ant-Man Reihe war ja bekanntlich ein sogenannter Heist-Movie, ein Film, in dem ein Raubüberfall geplant und ausgeführt wird. Dieser Film ist eher eine Science-Fiction-Komödie, die ein Ziel hat: Die Rettung von Janet van Dyne. Diese wird hier zwar großartig gespielt von Michelle Pfeiffer, kommt aber leider viel zu kurz im Film vor. Gegenspieler von Ant-Man sind hier Gangster, die eine wichtige Technologie von Hank Pym benötigen, sowie Ghost, die nach einem fehlgeschlagenen Experiment außer Phase gerät und deren Körper im Quantum Realm zu verschwinden droht. Ghost ist dabei auch nur deshalb ein Bösewicht, weil sie Winter Soldier-artig aufgezogen wurde und um ihr eigenes Überleben kämpft, während Sonny Burch gespielt wurde von Walton Goggins, der bereits in Tomb Raider den Bösewicht gespielt hat und dort wesentlich besser eingesetzt wurde. Erwartet also diesmal keine mehrdimensionalen Bösewichte wie Killmonger in Black Panther oder Thanos in Infinity War. Weitere Charaktere sind unter anderem Laurence Fishburne’s Goliath, ein alter, ehemaliger Kollege von Hank Pym, sowie Scotts frühere Gang, mittlerweile quasi angeführt von Michael Peña’s Charakter Luis. Diese sorgt zwar für viele Gags, aber da Paul Rudd schon selbst viele komödiantische Szenen hat, sind einige Gags stellenweise für die Story schon zu viel.

Paul Rudd hat es im gesamten Verlauf des Films schwer sich gegen Evangeline Lilly durchzusetzen, die in den meisten Szenen die Oberhand behält, insbesondere, wenn sie in der Mitte des Films behauptet, dass sie nicht gefasst worden wäre von der Polizei in Civil War, wenn Captain America sie um Hilfe gefragt hätte… und das ist durchaus im gesamten Verlauf des Films glaubhaft. Dafür hat Paul Rudd eine großartige Szene in der Mitte des Films, in der er jemand anderen spielt und mit seiner Spielweise die Lacher vollkommen auf seiner Seite hat.

Michael Douglas ist verdammt gut als Hank Pym, der diesmal stellenweise sogar auf seine alten Tage nochmal zum Action-Star wird und wesentlich mehr eingesetzt wurde als noch im ersten Teil. Außerdem hat der Film die obligatorische Michael Peña-Erklär-Szene, viele herumlaufende Riesen-Ameisen, sowie die mittlerweile fast schon übliche CGI-Verjüngungs-Szene. Während Michael Douglas’ junges Pendant stark im Dunkeln herumsteht, ist Michelle Pfeiffers Gesicht verdammt gut, und man hat fast das Gefühl, dass hier die echte Pfeiffer zu Catwoman-Zeiten in Batman Forever aufgenommen wurde.
Die Action-Szenen sind mitreissend und dynamisch, insbesondere wegen der vielen Größenänderungen, wenn jetzt Ant-Man, Wespe und sogar Häuser und Fahrzeuge mehrfach die Größe verändern. Dabei wird zwar halb San Francisco zerlegt, aber spielen dabei an vielen bekannten Straßen und Sehenswürdigkeiten, die ich selbst in den letzten Tagen besucht habe, kurz bevor ich den Film gesehen hab. Es kommt nur selten im Leben vor, dass man einen Film schaut und mitten im Film den Gedanken hat: „Ich hab an genau dieser Stelle gestern zwei Stunden lang auf das Feuerwerk zum 4. Juli gewartet“. Ein einmaliges Erlebnis für mich.

Kommen wir zum finalen Urteil. Natürlich kommt der Film nicht an andere Filme des MCU wie den ersten Avengers, die Guardians-Filme oder Infinity War heran, ist aber meines Erachtens nach kurzweiliger als der erste Ant-Man Film. Es ist ein starker Film, der besonders das Thema Familie in den Vordergrund stellt: Scott Langs Beziehung zu seiner Tochter und zu seiner Ex-Frau und deren Ehemann, Hank Pyms Beziehung zu seiner Tochter und seiner Frau und auch bei einem weiteren Charakter gibt es eine starke Vater-Tochter-Beziehung. Und dann ist da noch die Frage nach den zwei Post-Credit-Szenen. Sagen wir mal so, wenn man das MCU kennt, konnte man zumindest eine der Szenen zu 95% vorhersagen. Lohnen tut sich der Kinobesuch auf jeden Fall, insbesondere wird es interessant sein, inwieweit die in diesem Film gezeigte Technologie angewendet werden kann für Avengers 4, da das Quantum Realm durchaus Potential für Raum- und Zeitreisen hat. Es könnte also interessant werden, wenn Tony Stark, Bruce Banner oder vllt. Shuri mit dieser Technologie herumspielen würden.