Die Flache Erde – Ist die Erde ein Oreo?

Ein Video, auf das ich besonders stolz bin. In den letzten Wochen sind mir einige Leute immer mehr aufgefallen, die daran glauben, dass die Erde flach ist und man doch einmal aufwachen sollte. Nach dem Wer, wie, was-Prinzip hab ich mir dann einmal einige der „Beweise“ angesehen, die auf diversen Webseiten zur Flachen Erde gezeigt werden… also habe ich mir gedacht, ich mache mal ein Video und hinterfrage die Hinterfragenden…

Die Flache Erde

In den letzten Monaten habe ich sehr viele seltsame Verschwörungstheorien gehört. Neben den üblichen 9/11 Verschwörungen, die nicht-existierende Mondlandung, Chemtrails und diversen Impf-Verschwörungen ist da eine Verschwörungstheorie, die besonders abgedreht ist…

Wir leben auf einer flachen Erde.

Nein wirklich. Echt jetzt. Die Erde ist flach. Glauben zumindest einige Leute im Internet.

Bis zum 17. Jahrhundert gab es mehrere wichtige wissenschaftliche Durchbrüche im Bereich der Astronomie. Den ersten Durchbruch schafften Ferdinand Magellan und Juan Sebastian Elcano, die zwischen 1519 und 1522 mit dem Schiff Victoria die Erde umrundeten und damit den Beweis erbracht haben, dass man nicht fürchten müsste mit seinem Schiff von einer runden Platte herunterzufallen, so wie der damalige Glaube war. Den anderen Durchbruch gab es beim Begriff des Heliozentrismus, der zuerst von Copernicus erwähnt wurde, von Tycho Brahe erweitert und erst die Wissenschaftler Galileo und Kepler stießen an die Grenzen der wissenschaftlichen Forschung, nämlich die römisch-katholische Inquisition. Dies führte dazu, dass die wissenschaftlichen Publikationen nicht mehr veröffentlicht werden durften, da ihre Forschung im direkten Widerspruch zur Bibellehre stand. Erst über 100 Jahre später wurden seine Forschungsergebnisse freigegeben und erst Papst Johannes Paul II. entschuldigte sich offiziell rückwirkend für die falsche Behandlung Galileis durch die katholische Kirche. Die entscheidende Wendung lieferte nämlich Sir Isaac Newton, der seine Gravitationstheorie in Verbindung brachte mit dem heliozentrischen Weltbild.

Warum ich soweit aushole? Weil alle Verschwörer waren. Auch wenn sie verfolgt wurden und ihre wissenschaftliche Forschung Jahrhundertelang nicht veröffentlichen dürften. Und genau das gleiche behaupten die Flach-Erde-Leute von sich selbst in der heutigen Zeit. Sie versuchen die Leute davon zu überzeugen, dass ihre Auslegung die einzig wahre ist… auch wenn es kaum bestreitbare Beweise für die Kugelerde gibt.

Fangen wir mal an mit den „Beweisen“ der flachen Erde. Nun, nach der Flach-Erde-Auslegung, befinden sich alle Kontinente in der Mitte einer runden Scheibe, in etwa so angelegt wie im Symbol der Vereinten Nationen. Dort befindet sich die Arktis in der Mitte, während die Antarktis eine nicht-überquerbare Mauer aus Eis ist, die die gesamte Erde umfasst. Und dahinter befindet sich der Weltall, ein Schildkrötenpanzer und White Walker. Dass die Antarktis doch nicht so unpassierbar ist, hat erst vor kurzem ein Polarforscher bewiesen, als er als erste Mensch mit einem Auto einmal hin und wieder zurückgefahren ist, und das in einem Hyundai Santa Fe. Theoretisch müsste der dann jetzt auch Bestandteil der Verschwörungsbande sein.

An der Stelle frag ich mich als Geocacher auch was anderes. Kennt ihr den Satz vom Fussball? Der Satz des Fussballs sagt aus, dass bei jedem Fussballspiel genau 2 Punkte auf der Oberfläche existieren, die zu Beginn beider Spielhalbzeiten am Abstoßpunkt an der gleichen Stelle im umgebenen Raum befinden. Wie soll das denn nur gehen? So eine runde Kugel kann sich ja doch in alle Richtungen drehen. Angenommen wir haben eine Drehung beim Anstoss in der ersten Halbzeit und eine zweite Drehung beim Anstoss in der zweiten Halbzeit. Aber dann kann man eine Drehachse definieren, die die erste Drehung in die zweite überführt und diese Drehachse geht genau durch 2 Punkte auf der Oberfläche. Auf der Erdoberfläche gibt es auch 2 signifikante Punkte, die magnetischen Pole am Nord- und am Südpol. Laut der Flach-Erde-Theorie müssten der magnetische Nordpol direkt in der Mitte der Erdscheibe liegen, und der magnetische Pol im Süden wäre kein Fixpunkt, sondern ein Pol-kreis. Meines Erachtens würde die Verwendung eines Kompass nicht mehr funktionieren, je näher man dem Südpol kommen würde, da die Ausrichtung bzgl. des Südpols nicht mehr eindeutig ist.

Eine weitere Schnapsidee ist laut Flach-Erde-Theorie auch die Gravitation, die laut Meinung dieser „Wissenschaftler“ eine Pseudo-Wissenschaft sei. Klar, wenn ich jetzt einen Gegenstand herunterfallen lasse, dann fällt der nach unten. Dadurch, dass der Himmelskörper Erde eine Anziehungskraft hat, wird ein Objekt in Erdnähe nach dem Loslassen um den Faktor g beschleunigt, g entspricht 9,8 m/s^2. Diese 9,8 sind aber nicht fix, denn Messungen haben ergeben, dass um den Äquator die genaue Approximation 9,78 m/s^2 sind und an den Polen ungefähr 9.832 m/s^2. Das heißt, wenn ihr unbedingt etwas Gewicht verlieren wollt, fliegt einfach zum Äquator. Ein weiterer Faktor ist ausserdem noch die Höhe, denn je weiter man sich von der Erdoberfläche entfernt, desto geringer wird die Anziehungskraft, bis man irgendwann die Anziehungskraft der Erde verlässt und man nur noch schwebt. In der Flach-Erde-Theorie allerdings gibt es keine Anziehungskraft der Erde, sondern die Erdscheibe wird von unten beschleunigt. Fragt mich nicht wie, aber stellt euch vor, dass die Erde eine Art Fahrstuhl oder Rakete ist, die gerade nach oben fliegt. Wird ein Objekt also fallengelassen, ist das Objekt eigentlich in der Schwebe, aber wird von dann vom Boden, der sich relativ gesehen nach oben bewegt, aufgefangen. Äh ja…

Aber auch das klassische Experiment, das ja eigentlich die Rotation der Erde beweisen soll, wird angegriffen, das Faucaultsche Pendel. Die Grundidee ist, dass ein Pendelkörper nach einiger Zeit eine Rotationsbewegung aufzeigt, da sich die Erde unter dem Pendel weiterdreht. In der Tat kann man das Experiment weltweit reproduzieren und auch hier zeigt es sich, dass je nach Breitengrad auch die Rotationsgeschwindigkeit ändert. Die Flach-Erde-Fans sehen auch dieses Experiment kritisch, da nach ihrer Meinung eine wissenschaftliche Reproduktion des Flach-Erde-Pendeleffekts erst bei einer Seillänge von 25 Metern eintreten würde. Das derzeit größte installierte Pendel hat derzeit eine Seillänge von knapp 21 Metern, während Foucaults erste Großinstallation in Paris etwa 60 Meter Länge hatte… aber zu dem Zeitpunkt war ja die Genauigkeit des Experiments zu gering gewesen. Und ausserdem macht die Temperatur an den Experimentierten auch was aus, wegen Luftdruck, Nähe zur Sonne, usw… Klar ne?

Wenn es um die Sonne geht… die hat in dem Flach-Erde-Modell ja auch nur eine Diagonale von 51,5 km und ist auch gerade mal 4800 km entfernt. Im normalen Modell liegt die Sonne damit in der Exosphäre der Erde (die ca. bis 10000km weit reicht). Im Vergleich dazu ist die Sonne in Wirklichkeit 149.6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und hat auch nur einen Durchmesser von 1.4 Millionen Kilometern. Wenn man hier auch den guten alten Strahlensatz verwendet, dann kriegt man auch etwa ungefähr ähnliche Werte, wenn man die Entfernung herunterskalieren möchte. Allerdings würde die Sonne dann auch nur direkt wie eine Deckenlampe über der Erde hängen, die dann auf einer kreiselnden Umlaufbahn wie eine Lampe einen Teil der Erde anstrahlen würde. Was absolut keinen Sinn machen würde, denn Lichtstrahlen breiten sich in alle Richtungen aus und in dem Modell der Flach-Erde-Leute wäre die Sonne eine gerichtete Punkt-Lichtquelle. Das heißt die Oberflächen aller anderen Planeten in unserem Sonnensystem wären de facto dunkel. Es sei denn, es gäbe noch eine weitere Sonne, die alle anderen Planeten anstrahlen würde. Ausserdem… wie funktioniert das mit dem Mondlicht, wenn die Sonne ja nicht den Mond direkt anstrahlen kann, sondern nur indirekt beleuchtet werden kann?

Kommen wir zum großen Knackpunkt der Flachen-Erde-Theorie, die Erdkrümmung. Wenn wir auf einem Kugelähnlichen Objekt leben, dann müsste doch irgendwann mal eine Krümmung zu sehen sein. Einen hundertprozentigen Beweis für Flach-Erde-Fans kann ich hier leider nicht bringen, da ich gerade meine Rakete gerade in der Reparatur habe. Sonst würde ich sofort zur ISS hochfliegen und von oben Fotos machen. Denn die Flach-Erde-Fans hassen die NASA, weil sie Teil der Verschwörung sind. Also, lieber Elon Musk, lass mal ein paar Fotos schiessen, wenn die Nächste SpaceX Rakete hochgeschossen wird. Nun, die am weit verbreitesten Theorie besagt, dass die Krümmung der Erde nicht existiert. Wenn man nämlich aus dem Fenster eines Flugzeugs schaut, das bei ca. 10km über der Erdoberfläche fliegt, dann ist die Erde immer noch gerade. Ja, das liegt aber auch immer noch daran, dass die Perspektive und das Sichtfeld immer noch eine große Rolle spielt. Ich habe euch das hier mal in einer kleinen Präsentation vorgeführt. Zuerst einmal habe ich einen hochaufgelösten Kreis (mit dem Erdradius 6371 km)  in Matlab gemalt, in den man ziemlich weit hereinzoomen kann. Schauen wir uns das einmal genau an. Wenn wir an einem bestimmten Punkt ein Sichtfeld von 1 km haben, sieht man nichts, ebenso bei 10km, 20km, 40km. Erst bei mehreren 100km wird es immer krummer und krummer, bis man tatsächlich wieder eine Kreisfläche erkennen kann. Versuchen wir dieses Experiment zu wiederholen bei Google Earth. Zoomt man hier von New York aus heraus, dauert es schon einige Zeit, bis man eine Krümmung am Horizont erkennen kann. Bei 10 km Höhe hat man ca. ein Sichtfeld von ca. 200km und da ist die Krümmung noch nicht sonderlich sichtbar, erst bei höheren Lagen wird auch hier die Krümmung sichtbar. Ach ja, aktuelle Flach-Erde-YouTube-Videos zeigen Leute, die sich dann in ein Flugzeug setzen und unbedingt sehen wollen, dass der Pilot die Nase kippen muss, um die Krümmung auszugleichen. Worauf ich drauf hinauswill, der normale zivile Flugverkehr fliegt einfach zu niedrig, um die Erdkrümmung sichtbar zu machen. Falls man wirklich eine entsprechende Höhe zum Foto-Schießen verwenden sollte, dann müsste man warten, bis die suborbitale Flugtechnologie so stark ausgereift ist, dass Touristenflüge machbar wären, das kann aber noch dauern. Aber man kann sich eigentlich nochmal die Bilder von Felix Baumgartner aus 39km Höhe anschauen, wo man schon deutlich eine Krümmung erkennen kann je nach Blickwinkel. Wobei. Das könnte ja auch die Fischaugenlinse der GoPro sein, die da verwendet worden ist. Irgendwas ist ja immer…

Ich hab da letztens ein Video gesehen, da hat sich jemand mit einer Wasserwaage 20 Minuten lang hingesessen im Flugzeug und nach Ablauf dieser 20 Minuten kam er dann auf den Schluß, dass der Pilot keine Gegenmassnahmen getroffen hatte… also muss die Erde gerade sein… wieso auch immer, er hat wohl noch nicht von der Gravitation gehört, die auf das Flugzeug wirkt…

Wie sieht es mit GPS Satelliten aus? Die müsste es doch auch geben, oder? Klaro, allerdings in niedrigerer Höhe als erwartet (ihr erinnert euch, dass die Sonne nur knapp 4000km weit weg sein soll). Dementsprechend sind Satelliten also nur noch Wetterballons und funktionieren eher nach dem Sonar-Prinzip. Auch wenn man dafür eine bessere Impedanzübertragung benötigen würde, denn Luft ist ein schlechteres Übertragungsmedium als Wasser. Es sei denn im Weltall gibt es Wasser…

Und auch diese Theorie gibt es, denn vor einigen Jahren gab es einen Zwischenfall bei einem Weltraumspaziergang. Ein Astronaut hatte nach knapp 40 Minuten Aussenaufenthalt bei der ISS den Helm voller Wasser gehabt und wäre beinahe ertrunken. Im Weltall. Wie kann so was passieren? Nun, normalerweise könnte man sagen, dass vielleicht ein Teil des Lebenserhaltungssystems eine Fehlfunktion hatte, so dass zu viel Kondenswasser entsteht oder dass vllt. eine Trinkflasche defekt gewesen sein könnte. Was ja eigentlich eine offensichtliche Antwort gewesen wäre. Nein, für Flach-Erdler ist sowas natürlich zu simpel, und so gibt es ein weiteres bescheuertes YouTube-Video, wo jemand einem NASA-Mitarbeiter bei Starbucks auflauerte und ihn mit sehr seltsamen Fragen löcherte. Wie es denn sein könnte, dass da jemand im All ertrinken könnte. Da muss doch überall Wasser sein, oder? Weltverschwörung. Überall. Und da ich jetzt so ein Video hier gemacht habe, gehör ich auch zur Weltverschwörung. Muahahaha.

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